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Julia sucht Romeo

Nora Darius
4.9/5 (22555 ratings)
Description:Julia hörte die Stimme des Chefredakteurs durch die geschlossene Tür hindurch. »Das nennst du eine Story?«, tobte Oliver Gernot, und sie konnte sich gut vorstellen, wie sich sein Gesicht rötete. »Bin ich froh, dass ich nicht an Guidos Stelle bin«, meinte sie leise zu ihrer Kollegin Elke. »Es hat auch Vorteile, das jüngste Mitglied der Redaktion zu sein.« »Beschrei’s mal nicht«, meinte Elke und schob sich mit einer für sie typischen Bewegung die Hornbrille aufs rotgelockte Haar. »Guido hatte da eine Idee …« »Eben. Er und nicht ich.« Julia startete ihren Computer und begann ihre E-Mails zu lesen. Sie wartete auf eine Nachricht aus Cannes. Beim letzten Filmfestival hatte es mehr als einen Skandal gegeben, und eine junge Schauspielerin, mit der Julia vor sechs Jahren noch die Schulbank gedrückt hatte, war dabei involviert gewesen. Zwei Tage zuvor nun hatte die Schulfreundin angerufen und eine Exklusiv-Story versprochen. »Wieder nichts.« Enttäuscht lehnte sich Julia in ihrem Schreibtischstuhl zurück. »Da hat die gute Verena wohl ein bisschen dick aufgetragen.« »Oder die Story ist zu brisant und sie traut sich nicht, dir eine Mail zu schicken«, meinte Elke. Seit zehn Jahren arbeitete sie in der Redaktion, ihre Karrierechancen waren jedoch auf ein Minimum zusammengeschrumpft, als sie vor drei Jahren Zwillinge bekommen hatte. Seither arbeitete sie nur noch halbtags – und war sehr glücklich mit ihrer Situation. Julia mochte Elke sehr. Sie war klug, schrieb hervorragend, besaß ebenso viel Intellekt wie Humor. Zudem war sie sehr kollegial und hatte der Jüngeren das Eingewöhnen sehr leicht gemacht. »Wenn man von der Journalistenschule kommt, denkt man, man verfügt über das perfekte Rüstzeug«, hatte sie einmal gesagt. »In der Theorie stimmt das sicher auch, aber die Praxis sieht anders aus. Zum Glück.« Die Wahrheit dieser Behauptung hatte Julia schon oft feststellen können. Und sie hatte sich auch oft über Elkes sprichwörtlichen siebten Sinn gewundert. Dass er sich auch heute wieder bewahrheiten würde, erfuhr sie fünf Minuten später. »Julia – in mein Büro. Bitte.« Dieses »Bitte« machte die Sache nicht besser. Und Guido Ronsbergs Stimme klang nicht so, als hätte er seiner jüngsten Mitarbeiterin eine freudige Nachricht zu übermitteln. »Setzen Sie sich.« Der Redaktionsleiter selbst ließ sich schwer atmend in seinen wuchtigen Ledersessel hinter dem alten Eichenschreibtisch fallen und griff erst mal nach einem Glas Wasser. »Der Mensch bringt mich noch um«, stieß er dabei hervor. »Sie … Sie sollten sich nicht so aufregen. Ihr Blutdruck …« »Ach was, der ist ganz normal. Wenn ich meine Tabletten nicht zu nehmen vergesse«, fügte er hinzu und fingerte prompt in seiner Jackentasche herum. Endlich hatte er die schmale Schachtel gefunden, nahm eine Tablette heraus und schob sie sich zwischen die Lippen. Julia stand auf und goss ihm nochmals Wasser ein. »Es ist besser, Sie trinken das dazu.« »Ja, ja, geht schon. Danke«, sagte er dann und schickte dieser Höflichkeit sogar ein kleines Lächeln hinterher. »Sie können Ihre Herkunft aus der Apothekerdynastie Herford nicht verbergen.« »Na ja, im Lauf der Jahre kriegt man so einiges mit.« »Gut. Und hier haben Sie wohl auch mitgekriegt, dass es mal wieder brennt. Oliver will eine Reportage über Franco Fabiani haben. So schnell wie möglich. Das neue Buch war schon bei der Buchmesse ein toller Erfolg. Und im Weihnachtsgeschäft hat der Schmöker total abgeräumt.« Wieder ein Seufzer, dann: »Versteh einer die Frauen! Liebe, Leidenschaft, ein bisschen Sex und vielleicht noch ’ne annehmbare Story – und sie sind hin und weg.« »Franco Fabiani schreibt hervorragend«, wagte Julia einzuwenden. »Ach was, der kocht auch nur mit Wasser. Aber seine Marketingstrategie ist exzellent! Das muss der Neid ihm lassen.« In dem Punkt war Julia ganz seiner Meinung. Franco Fabiani trat nie in Erscheinung. Niemand wusste, wer sich hinter dem Pseudonym des Bestsellerautors verbarg. Dabei waren seine unzähligen – meist weiblichen – Fans begierig darauf, seine Identität zu lüften. »Und … was soll ich jetzt tun?« Voll böser Ahnungen sah Julia ihren Chef an. »Ihn finden. Was sonst?« Guido trank noch einen Schluck Wasser. Sein Gesicht war jetzt nicht mehr so beängstigend rot, jetzt funkelte Spott in seinen Augen. »Unser großer Boss hat einen heißen Tipp gekriegt. Fabiani soll sich in der Toskana aufhalten.« »Die ist ziemlich groß.« »Sie haben es erfasst, mein kluges Kind. Und deshalb schicke ich Sie jetzt los in Richtung Süden.« Julia rutschte auf ihrem Stuhl ein bisschen mehr nach vorn. »Sie wollen wirklich … ach was, das ist ein Witz, oder?« »Sehe ich so aus, als machte ich Witze?« »Aber … ich hab doch gar keine Erfahrung!«, wagte sie einzuwenden. »Deshalb kriegen Sie ja auch den Job. Unbelastet können Sie an diese Aufgabe herangehen.« Die Ironie in seiner Stimme ließ Julias Herz noch ein bisschen tiefer sinken. Erst recht, als der Redaktionsleiter fortfuhr: »Für das...We have made it easy for you to find a PDF Ebooks without any digging. And by having access to our ebooks online or by storing it on your computer, you have convenient answers with Julia sucht Romeo. To get started finding Julia sucht Romeo, you are right to find our website which has a comprehensive collection of manuals listed.
Our library is the biggest of these that have literally hundreds of thousands of different products represented.
Pages
224
Format
PDF, EPUB & Kindle Edition
Publisher
Blanvalet Taschenbuch Verlag
Release
2006
ISBN

Julia sucht Romeo

Nora Darius
4.4/5 (1290744 ratings)
Description: Julia hörte die Stimme des Chefredakteurs durch die geschlossene Tür hindurch. »Das nennst du eine Story?«, tobte Oliver Gernot, und sie konnte sich gut vorstellen, wie sich sein Gesicht rötete. »Bin ich froh, dass ich nicht an Guidos Stelle bin«, meinte sie leise zu ihrer Kollegin Elke. »Es hat auch Vorteile, das jüngste Mitglied der Redaktion zu sein.« »Beschrei’s mal nicht«, meinte Elke und schob sich mit einer für sie typischen Bewegung die Hornbrille aufs rotgelockte Haar. »Guido hatte da eine Idee …« »Eben. Er und nicht ich.« Julia startete ihren Computer und begann ihre E-Mails zu lesen. Sie wartete auf eine Nachricht aus Cannes. Beim letzten Filmfestival hatte es mehr als einen Skandal gegeben, und eine junge Schauspielerin, mit der Julia vor sechs Jahren noch die Schulbank gedrückt hatte, war dabei involviert gewesen. Zwei Tage zuvor nun hatte die Schulfreundin angerufen und eine Exklusiv-Story versprochen. »Wieder nichts.« Enttäuscht lehnte sich Julia in ihrem Schreibtischstuhl zurück. »Da hat die gute Verena wohl ein bisschen dick aufgetragen.« »Oder die Story ist zu brisant und sie traut sich nicht, dir eine Mail zu schicken«, meinte Elke. Seit zehn Jahren arbeitete sie in der Redaktion, ihre Karrierechancen waren jedoch auf ein Minimum zusammengeschrumpft, als sie vor drei Jahren Zwillinge bekommen hatte. Seither arbeitete sie nur noch halbtags – und war sehr glücklich mit ihrer Situation. Julia mochte Elke sehr. Sie war klug, schrieb hervorragend, besaß ebenso viel Intellekt wie Humor. Zudem war sie sehr kollegial und hatte der Jüngeren das Eingewöhnen sehr leicht gemacht. »Wenn man von der Journalistenschule kommt, denkt man, man verfügt über das perfekte Rüstzeug«, hatte sie einmal gesagt. »In der Theorie stimmt das sicher auch, aber die Praxis sieht anders aus. Zum Glück.« Die Wahrheit dieser Behauptung hatte Julia schon oft feststellen können. Und sie hatte sich auch oft über Elkes sprichwörtlichen siebten Sinn gewundert. Dass er sich auch heute wieder bewahrheiten würde, erfuhr sie fünf Minuten später. »Julia – in mein Büro. Bitte.« Dieses »Bitte« machte die Sache nicht besser. Und Guido Ronsbergs Stimme klang nicht so, als hätte er seiner jüngsten Mitarbeiterin eine freudige Nachricht zu übermitteln. »Setzen Sie sich.« Der Redaktionsleiter selbst ließ sich schwer atmend in seinen wuchtigen Ledersessel hinter dem alten Eichenschreibtisch fallen und griff erst mal nach einem Glas Wasser. »Der Mensch bringt mich noch um«, stieß er dabei hervor. »Sie … Sie sollten sich nicht so aufregen. Ihr Blutdruck …« »Ach was, der ist ganz normal. Wenn ich meine Tabletten nicht zu nehmen vergesse«, fügte er hinzu und fingerte prompt in seiner Jackentasche herum. Endlich hatte er die schmale Schachtel gefunden, nahm eine Tablette heraus und schob sie sich zwischen die Lippen. Julia stand auf und goss ihm nochmals Wasser ein. »Es ist besser, Sie trinken das dazu.« »Ja, ja, geht schon. Danke«, sagte er dann und schickte dieser Höflichkeit sogar ein kleines Lächeln hinterher. »Sie können Ihre Herkunft aus der Apothekerdynastie Herford nicht verbergen.« »Na ja, im Lauf der Jahre kriegt man so einiges mit.« »Gut. Und hier haben Sie wohl auch mitgekriegt, dass es mal wieder brennt. Oliver will eine Reportage über Franco Fabiani haben. So schnell wie möglich. Das neue Buch war schon bei der Buchmesse ein toller Erfolg. Und im Weihnachtsgeschäft hat der Schmöker total abgeräumt.« Wieder ein Seufzer, dann: »Versteh einer die Frauen! Liebe, Leidenschaft, ein bisschen Sex und vielleicht noch ’ne annehmbare Story – und sie sind hin und weg.« »Franco Fabiani schreibt hervorragend«, wagte Julia einzuwenden. »Ach was, der kocht auch nur mit Wasser. Aber seine Marketingstrategie ist exzellent! Das muss der Neid ihm lassen.« In dem Punkt war Julia ganz seiner Meinung. Franco Fabiani trat nie in Erscheinung. Niemand wusste, wer sich hinter dem Pseudonym des Bestsellerautors verbarg. Dabei waren seine unzähligen – meist weiblichen – Fans begierig darauf, seine Identität zu lüften. »Und … was soll ich jetzt tun?« Voll böser Ahnungen sah Julia ihren Chef an. »Ihn finden. Was sonst?« Guido trank noch einen Schluck Wasser. Sein Gesicht war jetzt nicht mehr so beängstigend rot, jetzt funkelte Spott in seinen Augen. »Unser großer Boss hat einen heißen Tipp gekriegt. Fabiani soll sich in der Toskana aufhalten.« »Die ist ziemlich groß.« »Sie haben es erfasst, mein kluges Kind. Und deshalb schicke ich Sie jetzt los in Richtung Süden.« Julia rutschte auf ihrem Stuhl ein bisschen mehr nach vorn. »Sie wollen wirklich … ach was, das ist ein Witz, oder?« »Sehe ich so aus, als machte ich Witze?« »Aber … ich hab doch gar keine Erfahrung!«, wagte sie einzuwenden. »Deshalb kriegen Sie ja auch den Job. Unbelastet können Sie an diese Aufgabe herangehen.« Die Ironie in seiner Stimme ließ Julias Herz noch ein bisschen tiefer sinken. Erst recht, als der Redaktionsleiter fortfuhr: »Für das...We have made it easy for you to find a PDF Ebooks without any digging. And by having access to our ebooks online or by storing it on your computer, you have convenient answers with Julia sucht Romeo. To get started finding Julia sucht Romeo, you are right to find our website which has a comprehensive collection of manuals listed.
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Pages
224
Format
PDF, EPUB & Kindle Edition
Publisher
Blanvalet Taschenbuch Verlag
Release
2006
ISBN
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